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Dornröschenschlaf für Schloss Rottwernsdorf beendet
Ein Architekt und ein Antiquitätenhändler haben das Denkmal ersteigert und zuerst mal aufgeräumt.
Was passiert im Schloss Rottwerndorf? Seit Kurzem ist das Renaissancegemäuer vom Gestrüpp befreit. Anwohner und Passanten fragen sich nun, wie es weiter geht. Auch der Krietzschwitzer Wolfgang Lill ist neugierig. „Es wäre eine feine Sache, wenn das Objekt saniert würde“, sagt er. Die Bauarbeiter hat er schon angesprochen. Aber die hätten ihn nicht verstanden, berichtet Lill. Vor dem Haus stünden Autos mit polnischen Kennzeichen, die tollsten Gerüchte seien im Umlauf.
Die neuen Eigentümer stammen nicht aus Polen, sondern aus Bayern. Sie heißen Manfred Strebl und Martin Kusic. Strebl ist im Antiquitätenhandel in München aktiv. Martin Kusic, der ebenfalls aus München stammt, ist Architekt. Beide ersteigerten das Schloss im Mai für mehr als 120.000 Euro.
Im Schloss soll nichts Spektakuläres passieren, sagt Manfred Strebl. In den oberen Etagen soll das Schloss für Wohnzwecke hergerichtet werden. Sein Compagnon wolle möglichst schon im Herbst mit der Familie hier einziehen. Im Erdgeschoss denke man an Ausstellungsräume, vielleicht für ein Antiquitätengeschäft, sagt Strebl.
Stadt fordert Sanierungsplan
Für handfeste Bauarbeiten ist es aber noch zu früh. Bisher habe man auf dem Anwesen und im Haus vor allem aufgeräumt, sagt Strebl. So wurden alte Holzverkleidungen, Tapeten und Unrat entfernt. Für das Weitere müsse man sich mit dem Denkmalschutz abstimmen.
Als Denkmalschutzbehörde ist die Stadt Pirna gefordert. Erst diesen Montag gab es eine Begehung im Schloss mit Baubürgermeister Christian Flörke. Wie Stadtsprecherin Sabine Schlechtiger mitteilt, erwarte das Rathaus umgehend ein Gesamtkonzept von den Eigentümern. Der Sanierungsplan für das komplette Haus sei nötig, auch wenn vorerst nur Teile davon genutzt werden sollten.
Das Schloss Rottwerndorf hat für Pirnaer Maßstäbe einen herausragenden Wert, sagt Steffen Möhrs, Chef der Pirnaer Stadtentwicklung. Nachdem ein Vorgängerbau abgebrannt war, errichtete man das Haus Mitte des 16. Jahrhunderts im Stil der Renaissance neu. „Die originale Bausubstanz ist zum allergrößten Teil noch erhalten“, sagt Steffen Möhrs. Jegliche Veränderungen müssten den Denkmalschutzbehörden vorgestellt und von diesen genehmigt werden. Besonders habe man auf historische Oberflächen, Fußböden, Decken, Farbfassungen und Ausstattungsteile hingewiesen.
Das klingt nach hohen Hürden. Stadtsprecherin Sabine Schlechtiger sagt, man habe keinesfalls die Absicht, den Investoren Steine in den Weg zu legen. Doch sei das Schloss ein Denkmal. Man habe die Pflicht, darauf zu achten, dass es als solches behandelt werde. Soweit möglich, werde man die Eigentümer unterstützen. Grundlage für alles Weitere sei ein qualifiziertes Sanierungskonzept. Man habe den Eigentümern dringend empfohlen, ein erfahrenes Architekturbüro zu Rate zu ziehen. Klar ist, sagt Pirnas Stadtentwickler Steffen Möhrs, dass die neuen Schlossherren eine Baugenehmigung brauchen, wenn sie das Haus wieder zum Wohnen nutzen wollen. Wegen des langen Leerstands sei das „zwingend erforderlich“. Ein solcher Antrag liege bisher aber nicht vor.
Das Schloss steht schon seit Ende der 1990er-Jahre leer. Manfred Strebl hält die Bausubstanz trotzdem für gut. Jetzt käme es darauf an, schnell die Dachrinnen zu erneuern. Das Regenwasser müsse aufgefangen und vom Haus weg geleitet werden, um neue Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden. Auch müssten alle Versorgungsleitungen neu angeschlossen werden.
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