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Mittwoch, den 27. Juli 2011 um 18:06 Uhr

Dornröschenschlaf für Schloss Rottwernsdorf beendet

Ein Architekt und ein Antiquitätenhändler haben das Denkmal ersteigert und zuerst mal aufgeräumt.

Was passiert im Schloss Rottwerndorf? Seit Kurzem ist das Renaissancegemäuer vom Gestrüpp befreit. Anwohner und Passanten fragen sich nun, wie es weiter geht. Auch der Krietzschwitzer Wolfgang Lill ist neugierig. „Es wäre eine feine Sache, wenn das Objekt saniert würde“, sagt er. Die Bauarbeiter hat er schon angesprochen. Aber die hätten ihn nicht verstanden, berichtet Lill. Vor dem Haus stünden Autos mit polnischen Kennzeichen, die tollsten Gerüchte seien im Umlauf.

Die neuen Eigentümer stammen nicht aus Polen, sondern aus Bayern. Sie heißen Manfred Strebl und Martin Kusic. Strebl ist im Antiquitätenhandel in München aktiv. Martin Kusic, der ebenfalls aus München stammt, ist Architekt. Beide ersteigerten das Schloss im Mai für mehr als 120.000 Euro.

Im Schloss soll nichts Spektakuläres passieren, sagt Manfred Strebl. In den oberen Etagen soll das Schloss für Wohnzwecke hergerichtet werden. Sein Compagnon wolle möglichst schon im Herbst mit der Familie hier einziehen. Im Erdgeschoss denke man an Ausstellungsräume, vielleicht für ein Antiquitätengeschäft, sagt Strebl.

Stadt fordert Sanierungsplan

Für handfeste Bauarbeiten ist es aber noch zu früh. Bisher habe man auf dem Anwesen und im Haus vor allem aufgeräumt, sagt Strebl. So wurden alte Holzverkleidungen, Tapeten und Unrat entfernt. Für das Weitere müsse man sich mit dem Denkmalschutz abstimmen.

Als Denkmalschutzbehörde ist die Stadt Pirna gefordert. Erst diesen Montag gab es eine Begehung im Schloss mit Baubürgermeister Christian Flörke. Wie Stadtsprecherin Sabine Schlechtiger mitteilt, erwarte das Rathaus umgehend ein Gesamtkonzept von den Eigentümern. Der Sanierungsplan für das komplette Haus sei nötig, auch wenn vorerst nur Teile davon genutzt werden sollten.

Das Schloss Rottwerndorf hat für Pirnaer Maßstäbe einen herausragenden Wert, sagt Steffen Möhrs, Chef der Pirnaer Stadtentwicklung. Nachdem ein Vorgängerbau abgebrannt war, errichtete man das Haus Mitte des 16. Jahrhunderts im Stil der Renaissance neu. „Die originale Bausubstanz ist zum allergrößten Teil noch erhalten“, sagt Steffen Möhrs. Jegliche Veränderungen müssten den Denkmalschutzbehörden vorgestellt und von diesen genehmigt werden. Besonders habe man auf historische Oberflächen, Fußböden, Decken, Farbfassungen und Ausstattungsteile hingewiesen.

Das klingt nach hohen Hürden. Stadtsprecherin Sabine Schlechtiger sagt, man habe keinesfalls die Absicht, den Investoren Steine in den Weg zu legen. Doch sei das Schloss ein Denkmal. Man habe die Pflicht, darauf zu achten, dass es als solches behandelt werde. Soweit möglich, werde man die Eigentümer unterstützen. Grundlage für alles Weitere sei ein qualifiziertes Sanierungskonzept. Man habe den Eigentümern dringend empfohlen, ein erfahrenes Architekturbüro zu Rate zu ziehen. Klar ist, sagt Pirnas Stadtentwickler Steffen Möhrs, dass die neuen Schlossherren eine Baugenehmigung brauchen, wenn sie das Haus wieder zum Wohnen nutzen wollen. Wegen des langen Leerstands sei das „zwingend erforderlich“. Ein solcher Antrag liege bisher aber nicht vor.

Das Schloss steht schon seit Ende der 1990er-Jahre leer. Manfred Strebl hält die Bausubstanz trotzdem für gut. Jetzt käme es darauf an, schnell die Dachrinnen zu erneuern. Das Regenwasser müsse aufgefangen und vom Haus weg geleitet werden, um neue Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden. Auch müssten alle Versorgungsleitungen neu angeschlossen werden.

Veröffentlicht in Aus den Städten und Gemeinden
Sonntag, den 07. August 2011 um 21:16 Uhr

Sachsens Kommunen fehlt Geld für Schulsanierungen

Gute Betreuung und gute Bildung für Sachsens Kinder werden seit Jahren diskutiert. Jetzt steigen vielerorts wieder die Geburtenzahlen, doch die klammen Kommunen kommen mit Um- und Neubauten der Betreuungseinrichtungen nicht hinterher.

Ferienzeit ist Schulsanierungszeit. Doch Sachsens Kommunen können das Geld für nötige Bauarbeiten immer schlechter aufbringen, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Allein für die Schulen schätzt der Sächsische Städte- und Gemeindetag (SSG) den Sanierungsstau auf 1,5 Milliarden Euro. Für die Kitas, die vielerorts wegen steigender Geburtenzahlen aus- und neugebaut werden müssen, wagt der Verband nur die vage Schätzung „erheblicher Bedarf“.

Dabei sind die Kommunen unterschiedlich stark im Sanierungsrückstand. Beispiel Grimma: Die Kreisstadt baut noch bis 2012 an einer ihrer sechs Grundschulen. Die energetische Sanierung sowie der Innenausbau für etwa drei Millionen Euro sind erstmal die letzten Maßnahmen auf Jana Kutschers Zettel. Die Schulamtsleiterin weist darauf hin, dass damit nicht nur alle Schulen, sondern auch alle Turnhallen auf Vordermann gebracht sind.

Lediglich für die Kitas in den eingemeindeten Orten Großbothen und Großbardau sieht Kutscher ein großes Problem. „Die müssen dringend saniert werden, doch wir müssen auf passende Fördertöpfe warten“, sagt sie. Erst Mitte Juli bewarb sich Grimma um Landesgelder für die beiden Einrichtungen. Wegen höherer Steuereinnahmen hatte der Freistaat kurzfristig acht Millionen Euro für umweltgerechte Sanierungen und Neubauten von Schulen und Kitas auf dem Land bereitgestellt.

„Doch daraus ist nichts geworden“, sagt Kutscher. Kein Wunder: Die Anträge lagen bereits auf Halde. Familienfreundlicher muss das flache Land werden, damit mehr junge Menschen zum Bleiben oder Wiederkommen bewegt werden, sagt der Agrar- und Umweltminister Frank Kupfer (CDU). Eine leistungsfähige Bildungsinfrastruktur sei Voraussetzung. Deswegen änderte sein Ministerium im April die Richtlinien für Geld der Europäische Union. Jetzt kann auch aus deren Fördertöpfen Geld in Schulsanierungen im ländlichen Raum fließen.

Dresden baut für 6 Millionen Euro um

Viel mehr Nachholbedarf als Grimma hat die Landeshauptstadt. Dresden baut seine Schulen nach eigenen Angaben zur Zeit für 6 Millionen Euro um. 2,9 Millionen Euro gibt es für Brandschutzsanierungen aus. Dazu kommen allein 2011 23,2 Millionen Euro für Bauarbeiten an Kitas. Bereits 2007 legte Dresden ein Ausbauprogramm auf, reagierte mit 5000 zusätzlichen Betreuungsplätzen auf die steigenden Geburtenzahlen. Bis 2013 der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz greift, müssen weitere 2000 Plätze geschaffen werden, erklärt Stadtsprecherin Doris Oser.

Auch Dresden half ein Fördertopf beim Ausbau: das Konjunkturpaket II der Bundesregierung. „Das Förderprogramm war eine große Hilfe, denn nur mit diesem zusätzlichen Geld gelang es, den wachsenden Bedarf an Betreuungsplätzen abzusichern.“ Jetzt ist das Geld verbaut. Trotzdem schätzt Dresden den weiteren Sanierungsbedarf auf etwa 850 Millionen Euro.

SSG-Geschäftsführer Mischa Woitscheck beklagt „dass der Freistaat Sachsen in den Jahren 2011 und 2012 keine Fachförderung aus eigenen Mitteln mehr leisten wird, um die Kommunen beim Neubau oder bei der Sanierung von Kitas zu unterstützen. Hier werden Kinder, Eltern und Kommunen vom Freistaat im Stich gelassen.“ Das Kultusministerium verweist hingegen auf die sächsischen Gesetze, die den Trägern diese Aufgaben zuweisen. In den vergangenen Jahren habe der Freistaat die Kommunen bei Bauarbeiten an Kitas zudem immer wieder stark unterstützt

Veröffentlicht in Aus dem Freistaat
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